Wie feiert man 40 Jahre Ökumenisches Zentrum?

 
Ganz gewiss nicht mit vielen Reden und Grußworten, dachten sich die Verantwortlichen, sondern mit einer Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen. Begonnen wurde mit dem traditionellen Doppelpack Kabarett (s. voriger Eintrag) und Gemeindefest. Zu Ehren des Jubiläums war dies auch besonders reich ausgerichtet: der Posaunenchor und der katholische Kirchenchor gestalteten den ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel, der Trachtenverein trat auf und eine Kinder- Jongliergruppe aus Villingen ließ Kinder und Erwachsene staunen. In der ehemaligen Bibliothek waren einige Erinnerungs-Dokumente ausgestellt und ein Film, den Herr Bauknecht 1978 über den Bau des Gemeindezentrums von der Grundsteinlegung bis zur Fertigstellung gedreht hatte, lief sehr zur Freude vieler Besucher in der Dauerschleife, schließlich waren ja viele der heutigen Gemeindemitglieder erst später hergezogen.

Trotz herrlichstem Badewetter war das Öku bestens besucht, das Salat und Kuchenbüfett im Nu geräumt und schon um 15 Uhr meldete die zum Grillen abgestellte Mannschaft unter der erstmalig in Gebrauch genommenen Markise : „Alles leer, Pommes alle, Bratwürste alle, nichts mehr da!" Pfarrer Baders nachmittäglicher Besuch mit Frau Telse erfreute viele alten „Fans" und natürlich musste er sich noch einmal einen Überblick über „seine" Küche verschaffen.
Passend zur ökologischen Ausrichtung des Gemeindezentrums erhielt die „Grüne Gockel" Gruppe in einem besonderen Schöpfungs-Gottesdienst am 10.April die angestrebte Zertifizierung, mit der auch Zuschüsse aus Karlsruhe verbunden sind - z.B. die geplante Glaswand zwischen Foyer und Café .
Auch ein theologischer Vortrag war geplant worden und den hielt am 18. Oktober Frau Dr. Johanna Rahner unter dem Titel "Warum evangelisch? Warum katholisch ? Warum nicht lieber einfach christlich?" Die Tübinger Professorin mit dem Lehrstuhl für Dogmengeschichte und Ökumene bezeichnete die Reformation als einen ein Prozess, der schon vor Luthers Thesenanschlag begonnen hatte und immer weiter wirkt, die traditionellen Unterschiede zwischen den Konfessionen immer weiter schwinden lässt und beide Konfessionen in der Sorge um die Umwelt vereint, in der aber auch der Einzelne, wenn die alten Glaubensformen nicht mehr tragen oder fremd geworden sind, sich zu seiner jeweils eigenen Glaubensgewissheit durchkämpfen muss. Das war für viele Zuhörer schwierige Kost und regte zu vielen Fragen an, die in einem Nachgespräch fortgeführt werden sollen.


Den krönenden Abschluss der Jubiläums-Veranstaltungen bildete der Abend „Lieben Sie das Öku?", gleichzeitig das 17. Konzert in der von Frau Sabine Porsch begründeten Reihe „ÖKUltur." 40 Jahrgänge vergangener Gemeindebriefe hatte die engagierte Musikerin zu einem Programm aus Textbeiträgen und passenden Musikstücken verarbeitet: Die Texte las Frau Ziegler, die feststellte, dass es im Öku weniger Musik als gedacht gegeben hatte, dafür aber eine Fülle inzwischen verschwundener Aktivitäten wie z. B. drei katholische Gottesdienste wöchentlich oder Kaffee und Kuchen an 4 Tagen der Woche.
Herr Meyer las aus den Dienstberichten des damaligen Hausmeisters. In geschliffenem Deutsch beklagte er uns sehr bekannt vorkommende Missstände wie einen Hagel- und Wasserschaden wegen einer überlaufenden Regenrinne oder eine ungezogene Jugend, die allen möglichen Dreck in die Gitter vor dem Eingangsbereich warfen und allerlei Unsinn an der Stange zwischen Foyer und Cafébereich produzierten.
Sophie Rosenfelder sang mit ihrem wunderschönen Sopran zwei Mozart-Arien, begleitet von Frau Sabine Porsch, die überhaupt den größten Klavierpart meisterte. Die von Kantor Jochen Kiene am Cembalo vorgetragenen Variationen von Samuel Scheidt über das Lied „Weh, weh, Windchen" ließen mich plötzlich an einen Gottesdienst am 26. Dezember 1999 denken, als absolut kein „Windchen" wehte, sondern ein handfester Sturm um das Öku heulte, der Sturm Lothar.
Während der Predigt waren alle Blicke auf das ächzende Pultdach über der Kanzel gerichtet, und doch beendete Pfarrer Krech seine Predigt mit den mir unvergesslichen Worten „ Und das Dach- es hält!"
Beim Thema Ausstellungen und Kunst las Pfarrerin Interschick noch einmal Teile aus ihrer Predigt über die Christus-Figur von Emil Johannes Humolka. Diese vom Künstler als ganze aus einer Linde vom Königsfelder Kirchenvorplatz herausgearbeitete Skulptur stellt nicht mehr den leidenden Christus dar, sondern gleichsam schon den auferstandenen, schon losgelöst von aller Erdenschwere in den Himmel auffahrender. Dieser mit einem hellblauen Lendentuch bekleidete Christus steht seit seiner Erwerbung scheinbar- unscheinbar in einer Ecke seitlich von der Kapelle, ist bei allen Veranstaltungen dabei, man kann hinsehen, das Knie berühren, wie die Kinder es gerne tun, man kann ihn auch ignorieren - anwesend ist er immer, still, aufmerksam und verklärt.
Schön, dass wir ihn haben dürfen.

Hildegard Barth