Darmstadt – das verbinden viele mit Jugendstil, aber davon ist im Stadtteil Kranichstein nichts zu sehen. Moderne Wohnblocks gebaut ab den späten 1960er Jahren prägen den Charakter. Und mittendrin ein ökumenisches Gemeindezentrum (gebaut 1980), in dem sich die katholischen Christen der Jakobusgemeinde und die evangelischen Christen der Philippusgemeinde treffen.

 

Darmstadt1Darmstadt2Auf dem Foto sind nur wenige Darmstädter zu sehen, denn vom 13.-15.3. wurde u.a. der „Hof der Begegnung" zu einem Treffpunkt für Menschen aus ganz Deutschland, die sich über ihre Arbeit in und mit ihren ökumenischen Gemeindezentren austauschten, aber vor allem auch auf der Suche nach Wegen in die Zukunft waren. Über 60 TeilnehmerInnen aus 17 Orten von Kiel bis St. Georgen,
von Mosbach bis Leipzig füllten das Gemeindezentrum und wurden von den gastgebenden Gemeinden freundlichst empfangen und bewirtet, sowie durch ein interessantes Programm geführt.
Neben dem Austausch und Oasen der Stille standen 2 Referate im Mittelpunkt, gehalten von Dr. Hennecke, zum Thema: „Ökumene reicht nicht: Über die nachkonfessionelle Zukunft", sowie Prof. Dr. Scherle zum Thema: „Miteinander Kirche sein – was müssen wir riskieren?"Darmstadt3„Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist", so begann der Vortrag von Dr. Hennecke. Er erklärte, die Zeit, in der sich Kirche wie in einem Aquarium befände, sei vorbei. Das Aquarium ist schon lange kaputt, wir schwimmen in einem großen Meer. Mit Beispielen aus der anglikanischen Kirche und der katholischen Kirche Frankreichs, die dem Strukturwandel schon länger ausgesetzt sind, machte Dr. Hennecke Mut, sich auf einen neuen Weg einzulassen, diesen unverkrampft und neugierig zu beschreiten, nicht zu fragen: Wie stehen wir (Katholische und Evangelisch) zueinander, sondern: Wie gehen wir gemeinsam weiter?
Dabei sei es aber wichtig, nicht die Kraft in Angebote und Events zu stecken, sondern Möglichkeiten zu schaffen, den Menschen im Stadtteil zu begegnen und auf ihre Fragen, ihr Suchen zu antworten.

Dr. Scherle stellte fest, dass die ökumenische Aufbruchstimmung der Jahre, die sich im Bau von ÖGZ wiederspiegelt, nicht mehr vorhanden, sondern einer Nüchternheit gewichen ist. Daraus leitet Dr. Schele folgendes Fazit ab: „Einheit ist nur als differenzierte und Fremdheit zulassende Einheit vorstellbar." Dabei spiele jedoch für eine Mehrzahl der Menschen die Konfession gar keine Rolle mehr und im Blick darauf, dass das Leben der Menschen immer mehr von einem „Nomadentum" geprägt sei, werde lediglich von „Kirche" erwartet, dass sie Gottesdienste anbiete (mit Wiedererkennungswert, egal, wo ich bin), sich um die Schwachen kümmere und Menschen auf ihrem Lebensweg begleite. Als Perspektiven zeigte Dr. Scherle für die Arbeit in Ökumenischen Gemeindezentren auf das Öffnen der Gemeinderäume für die Stadtteilarbeit und
einen klar definierter Gottesdienstraum, der einlädt zu Feiern mit festen liturgischen Formen. Bei allem aber, da waren beide Vortragende sich einig, stehe Christus im Mittelpunkt der Gemeinde und vertrauen Christen auf die Kraft und das Wirken des Heiligen Geistes.

von Mechthild Fischer